Krankheitsbewältigung – 4. Februar ist Weltkrebstag

Anlässlich des Weltkrebstages am 04. Februar möchten wir Ihnen Mut machen:

Finden Sie Ihren Weg zurück ins Leben

Dr. Sabine Rosenlechner - Chefärztin Klinik Prof. Schedel GmbH

Es gibt kein Patentrezept zur Krankheitsbewältigung. Jeder muss den eigenen Weg finden.  Die Diagnose Krebs  führt bei den meisten Betroffenen zu großer Verunsicherung,  zu  Mutlosigkeit und Verzweiflung –  die Vorstellung, wieder einmal hoffnungsvoll nach vorne schauen, fröhlich sein  und lachen zu können fällt schwer.

Eine Krebserkrankung und / oder deren Therapie können  unterschiedlich schwere Folgen nach sich ziehen. Diese Beeinträchtigungen  können Körper, Seele und das Sozialleben betreffen.

Die körperlichen Folgen können nur vorübergehend vorliegen aber auch lebenslang persistieren. Manchmal sind sie für jedermann ersichtlich und stigmatisieren.

Psychisch wird man quasi aus der Bahn geworfen, es ist nichts mehr wie es vorher war, wie es war, bevor man vom Arzt die niederschmetternde Diagnose erfahren hat. Unabhängig von der Prognose wird eine Krebserkrankung als Lebensbedrohung empfunden.

Die Krebserkrankung wirkt sich auch auf das soziale Umfeld aus, auf Partner, Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen. Die Mitmenschen sorgen sich, haben Ängste, wissen aber häufig nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Jeder von uns macht Pläne für die nähere und weitere Zukunft. Wir planen z. B. eine Familie zu gründen, malen uns aus, wie es sein wird, wenn man Enkel bekommt, was wir mit diesen dann  unternehmen werden. Wir sparen, weil wir eine größere Wohnung mieten oder kaufen wollen, wir machen die Anzahlung auf den großen Jahresurlaub, für  den wir uns endlich genug Geld zusammengespart haben. Die plötzliche Krebsdiagnose macht auf einen Schlag alles unsicher, wenn nicht zunichte,  sowohl kurz- als auch eventuell längerfristig.  Auch während der häufig monatelangen Behandlung ergeben sich immer wieder neue Situationen.

Als Krebspatient muss man sich immer wieder neu orientieren und nach Möglichkeiten suchen, mit den veränderten Bedingungen zurechtzukommen. Diese Bewältigung der Probleme  wird als Krankheitsbewältigung oder Coping bezeichnet  und ist als Prozess zusehen, der bei jedem anders abläuft.

Nach dem sogenannten „Phasen-Modell“ unterscheidet man 5 Phasen, wie Schock/Verleugnung, Aggression, Depression, Verhandeln und Akzeptanz, die man aber nicht alle durch- oder erleben muss.

Schock/VerleugnungEs gibt Patienten, die dem Arzt die Diagnose nicht glauben, eine Fehldiagnose annehmen und die entsprechende Therapie verweigern. Nicht nur in dieser Phase brauchen diese Menschen soziale Unterstützung mit Wärme, Verständnis, Aufmunterung, Hilfe zur Therapieentscheidung usw.

AggressionHier wird die Enttäuschung über die Erkrankung in Wut umgewandelt, die am Umfeld „ausgelassen“ wird. Besonders für Personen aus dem näheren Umfeld ist dieses Verhalten sehr belastend, sie sollten es nicht persönlich nehmen, da die Aggression der Erkrankung und nicht ihnen gilt. Ohne professionelle Hilfe, die schon bei der Diagnosestellung auch der Familie angeboten werden sollte, gestaltet sich das aber im realen Leben meistens sehr schwierig und führt vielfach zu groben Missverständnissen.

DepressionKörperliche und soziale Folgen der Tumorerkrankung und / oder der Therapie oder auch die Diagnose alleine, selbst wenn keine Residuen vorliegen und eine gute Prognose besteht,  können  über eine „normale“, vorübergehende große, aber zeitlich begrenzte seelische Reaktion hinaus zu Depression führen, die einer professionellen Hilfe bedürfen.

AkzeptanzNun hat der Patient gelernt, mit der Erkrankung zu leben, kann sich wieder neu orientieren. Leider erreicht nicht jeder diese Phase. Welche Phasen und in welcher Reihenfolge ein Patient die unterschiedlichen Phasen durchmacht, hängt unter anderem von der jeweiligen Persönlichkeit, seiner Lebensgeschichte und von seinem sozialen Umfeld ab. Der jeweilige Bewältigungsstil wird also multifaktoriell geprägt.

Grübeln und  Suche nach einem Sinn, einem Inhalt, einer „Botschaft“ der Erkrankung

Frage nach Schuld und Strafe

 

Je nach Religion oder Spiritualität können die Patienten zu diesen Fragen unterschiedliche Antworten erhalten und Betroffene  können in ihrem Glauben immer wieder große Unterstützung finden. Ohne  positive Lenkung kann bei solchen Fragen  der Weg aber unmittelbar in eine Hilflosigkeit und Depression führen.  Wenn der Patient nicht selbst dazu die Kraft hat, wäre es sinnvoll und hilfreich, ihm  konstruktive Fragen zu stellen, die dann z. B. zu einer Optimierung des bisherigen Lebensstils führen.

Krisensituationen, wie sie auch eine Krebserkrankung  darstellt, werden  von jedem Menschen anders bewältigt. So kann es aber auch für ein und denselben Menschen zu unterschiedlichen  Phasen der Tumorerkrankung mehr als eine Möglichkeit der Krankheitsbewältigung geben.
Dies legt nahe, dass  keine allgemeingültige Empfehlung, kein „Patentrezept“ für die Krankheitsbewältigung ausgesprochen werden kann. Jeder soll und muss seinen eigenen Weg finden und eine einmal eingeschlagene Richtung kann/soll/muss manchmal geändert werden.

„Wir können nichts an den Karten ändern, die wir bekommen, nur an dem Spiel, das wir mit diesem Blatt spielen.“

„Wir können die Realität nicht ändern.
Wir können nur bestimmen, wie wir mit ihr umgehen.“

  Randy Pausch

Die frühere  Vermutung, ein „kämpferischer Geist“,  ein sog. „fighting spirit“, könne sich günstig auf den Krankheitsverlauf auswirken, konnte wissenschaftlich nicht untermauert werden, ebenso wenig gibt es einen Nachweis, dass Therapien  durch positives Denken positiv beeinflusst und Rezidive verhindert werden können.

Nichtsdestotrotz tragen positive Gedanken und eine aktive, mitbestimmende Haltung zur Verbesserung des Selbstwertgefühls und insgesamt der Lebensqualität bei.

In diesem Sinne und zusammenfassend ermutigen wir Sie nochmals

  • Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen ernst.
  • Entdecken Sie, was im Umgang mit den Belastungen, die Sie durch die Krankheit und deren Behandlung erleben, am besten zu Ihnen passt
  • Finden Sie heraus, was Sie im Leben hält!

 

aktive Haltung und positives Denken – „der Sonne zugewandt“

Selbsthilfe – der Austausch mit Betroffenen

Die Kontaktaufnahme  mit einer Selbsthilfegruppe sollte allen Menschen mit einer Krebsdiagnose  empfohlen werden.  In nahezu jeder Situation kann es hilfreich sein, sich mit Betroffenen auszutauschen.          Je nach Art der Erkrankung gibt es verschiedene Selbsthilfe-Organisationen, die alle sehr gut organisiert und informiert sind und  Gruppentreffen, Ausflüge und andere Begegnungsmöglichkeiten anbieten.